Projektbeschreibung
Mit dem Ausbau der Elefanten-Schule Oberneuland zur gebundenen Ganztagsgrundschule mit vier Zügen wird der bestehende Schulstandort räumlich, funktional und gestalterisch neu gefasst. Der Standort wird durch den Zubau der Mensa mit 8 Klassenräumen und der Erweiterung der KITA zu 4 inklusiven Gruppen ein gemeinsamer Campus. Der realisierte Entwurf versteht somit den Neubau nicht als isoliertes Gebäude, sondern als präzise gesetzten Baustein innerhalb eines gewachsenen schulischen und städtebaulichen Kontextes. Als bereits fest etablierte Inklusionsschule wurden die neuen Flächen konsequent multifunktional und flexibel nutzbar konzipiert, um unterschiedliche pädagogische Szenarien je nach den Schülerstrukturen flexibel zu ermöglichen.
Der dreigeschossige Neubau ist als länglicher Baukörper entlang der bestehenden Einfriedung zum Gemeindewald umgesetzt worden. Seine Positionierung stärkt einerseits den räumlichen Bezug zum historischen Schulhaus und wahrt andererseits bewusst Abstände zu Bestandsgebäuden sowie zu erhaltenswerten Bäumen. Die genaue Verortung des Gebäudes folgt damit dem Leitgedanken einer qualitätsvollen Einbindung in das bestehende Umfeld und wurde so im Rahmen eines Gestaltungsgremiums – unter Beteiligung von Ortsbeirat, Stadtplanung, Denkmalpflege und Senatsbaudirektorin – als städtebaulich überzeugendste Lösung bewertet.
Die bauliche Umsetzung erfolgte auf dem Gelände im laufenden Betrieb der Grundschule und der KITA und mit
der besonderen Berücksichtigung des vorhandenen alten Baumbestandes. Während und nach dem Zubau erfolgt zusätzlich der Umbau und die energetische Sanierung einiger Bestandsgebäude – ebenfalls im laufenden Betrieb.
Eine besondere Rolle kommt der identitätsstiftenden Adressbildung im historischen Bebauungskontext des gewachsenen Stadteilkerns zu. Dafür wird der Haupteingang durch ein deutlich zurückspringendes Fassadenelement markiert und bildet einen einladenden, klar ablesbaren Ankunftsbereich mit einer witterungsgeschützter Vorzone und einem offenen Eingangsbereich aus. Diese architektonische Geste verleiht der Schule eine eigenständige Identität im Stadtraum und unterstützt zugleich Orientierung und Zugänglichkeit für Kinder, Eltern und Besucher:innen.
Die detailreich gestaltete Klinkerfassade vermittelt im hier vorhandenen historischen Kontext sowohl Beständigkeit als auch eine warme Atmosphäre. Farbige Abstufungen und plastische Details greifen hier den kindlichen Maßstab auf und machen damit die Gebäude auch für die Kinder zu markanten und unverwechselbaren Orten im städtischen Kontext.
Fast Facts
- Bauherr: SVITS/Immobilien Bremen
- Fertigstellung: 2026
- Ort: Bremen
- Leistungsphasen: 1-9
- Fotograf: Caspar Sessler
Entwurfskonzept | Neubau Mensa mit Klassenräumen und Kita
Funktional bündelt der Neubau alle zentralen Elemente des Ganztagsbetriebs. Neben zusätzlichen Unterrichts- und Nebenflächen – im Gesamtausbau unter anderem acht Klassenräume mit zugehörigen Differenzierungs- und Nebenräumen – entsteht eine Mensa mit Frischeküche, die sowohl den schulischen Alltag als auch außerschulische Nutzungen gewährleisten kann. Die Mensa ist für den täglichen Betrieb in mehreren Essensschichten ausgelegt, ist zugleich jedoch auch als Aula und Veranstaltungsraum für Schule und Stadtteil konzipiert worden. Die Bühne, die gute technische Ausstattung und eine ergänzende Pantryküche ermöglichen eine vielseitige Nutzung über den reinen Verpflegungsbetrieb hinaus. Die innere Organisation folgt einer klaren, gut lesbaren Erschließungsstruktur. Vom Foyer aus entwickelt sich die Wegeführung entlang des zentralen Treppenhauses mit Aufzug zu Garderoben- und Sanitärbereichen; die Aula ist sowohl direkt vom Foyer als auch separat erschließbar. Die beiden Obergeschosse sind in ihrer Grundstruktur identisch ausgebildet. Aufenthalts- und Unterrichtsräume orientieren sich überwiegend zur Oberneulander Landstraße, während zentrale Funktionsbereiche wie Selbstlernflächen, Teamstützpunkte, W+E Flächen und Sanitärzonen ruhiger zur Südwestfassade angeordnet sind. Die Innenräume sind auf die pädagogische Qualität der Unterrichtsräume ausgerichtet, grundschulkindgerecht proportioniert und übersichtlich gegliedert. Sie ermöglichen untereinander möglichst viele Sichtbeziehungen, um auch möglichst lichtdurchflutete Raumflächen zu bekommen. Tageslicht, gute Raumakustik und klare Orientierungsbezüge schaffen eine lernfreundliche und kindgerechte Atmosphäre. Die Gebäude sind barrierefrei und inklusiv. Zudem wurde ein inklusives, kindgerechtes Orientierungssystem konzipiert. So können sich alle Kinder in dem für sie neuen Umfeld intuitiv zurechtfinden – auch wenn sie gerade erst lesen lernen. Konstruktiv ist der Neubau als Massivbau in Passivhausbauweise mit zweischaligem Mauerwerk geplant. Die Klinkerfassade bildet dabei ein wesentliches architektonisches Element: In Materialität, Farbigkeit und Maßstäblichkeit knüpft sie an den Kontext an und verleiht dem Gebäude zugleich eine robuste, nachhaltige und zeitlose Eigenständigkeit. Holz Aluminium Fenster, außen liegender Sonnenschutz, mechanische Lüftung und eine Wärmeerzeugung über eine Luftwärmepumpe sichern einen energieeffizienten, zukunftsorientierten Betrieb. Insgesamt ist hier ein gemeinsamer Campus entstanden, der die pädagogischen Anforderungen, die architektonische Klarheit und eine städtebauliche Sensibilität miteinander verbindet und den Standort in Oberneuland nachhaltig stärkt.