Projektbeschreibung
Der Neubau des Essighauses in Bremen verkörpert einen architektonisch behutsamen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft. Statt die kriegszerstörte Weserrenaissance-Fassade zu imitieren, haben wir eine zeitgemäße Klinkerfassade, die historische Formen in moderner Materialität aufleben lässt, realisiert. Die Originalteile von 1618 – mit den zwei Sandstein Utluchten – sind geborgen und in den Neubau integriert worden. Darüber lassen helle Ziegel unscharf die Silhouette der alten Giebelfront erahnen. Dieses Erinnerungsrelief ehrt Bremens Baukultur, ohne in Nostalgie zu verfallen. Städtebaulich fügt sich der Neubau maßstabsgetreu in die Altstadt ein: An der Langenstraße gliedert er sich in drei Giebelhäuser mit eigenen Eingängen und Erdgeschossnutzungen, so dass der Eindruck einzelner Hauszeilen entsteht. Ein vierter Giebel schließt zum neuen Jacobshof das Ensemble ab. Das zweigeschossige Portal markiert den Hauptzugang und stärkt die fußläufige Achse.
Für uns ist das Neue Essighaus mehr als ein spannendes Projekt – es ist ein persönliches Anliegen. Als Teil des neuen Balgequartiers beginnt hier die Transformation der Innenstadt in ein zukunftsfähiges Stadtzentrum mit historischen Wurzeln. Wir möchten dem Essighaus – und damit einem Stück Bremer Identität – eine zeitgemäße Zukunft geben.
Fast Facts
- Bauherr: Essighaus GmbH & CoKG c/o Joh. Jacobs & Co. (AG & Co.) KG
- Fertigstellung: 2026
- Ort: Bremen
- Leistungsphasen: 3-4(in Teilen) / 5-8
- Fotograf: Caspar Sessler
Denkmalschutz und zeitgemäße Architektur | Neues Essighaus
Jeder Giebel besitzt ein eigenständiges Fassadenbild. Die linke Straßenfront integriert die historische Erkerzone und bildet darüber mit vorgesetzten hellen Klinkern eine „unscharfe Rekonstruktion“ der früheren Essighaus-Fassade ab. Durch vor- und rückspringende Ziegel lässt sich mit zugekniffenen Augen die historische Fassade erahnen. Die weiteren Fassadenflächen bestehen aus einer für dieses Projekt zusammengestellten rot-braunen Sortierung der Verblendsteine und die sandsteinfarbenen Fugen orientieren sich an den umgebenden Gebäuden. Dennoch gibt es feine Unterschiede: Der mittlere Giebel hebt sich durch höher ausgeführte Brüstungen, eine farbtongleiche Verfugung und die vertikale Verlegung der Ziegelsteine ab. Der rechte Giebel erhält einen markanten Sägezahnverband, umlaufend bis in die Große Waagestraße hinein.
Mit der Wiederherstellung des Sonnenapothekengiebels, erhält der Jacobshof seine schmückende Krone. Ein Kernstück ist die Integration der denkmalgeschützten Originalteile, die in Freiburg sorgfältig restauriert wurden. Der Fassadenbau ist dank der vorgefertigten Stahlbeton-Klinker-Elemente sehr exakt und schnell erfolgt und die charakteristischen Ziegelflächen mit ihren abgestuften Giebeln prägen nun das Fassadenbild in der Langenstraße. Die Symbiose von Alt und Neu erfordert immer besondere Sorgfalt und eine kreative Liebe zum Detail.
Auch im Inneren knüpft der Neubau an die Geschichte an. Die zweigeschossige Essighaus-Halle im Erd- und 1. Obergeschoss nimmt die Proportionen des früheren Festsaals auf und lässt Bremens Stadtgeschichte aufleben. Markante Y-Stützen im 4.OG tragen die zurückversetzten oberen Etagen und die entstandenen Dachterrassen eröffnen spannende Ausblicke über die Bremer Altstadt.